Wörterwerkstatt – Die Reportagegruppe

Woran arbeiten wir? Und wie machen wir das?
Öffentlichkeitsarbeit Homepage mit spannenden Texten
Aufklärung und Enttabuisierung Perspektivenvielfalt durch Menschen mit und ohne Beeinträchtigung
Teilhabe am sozialen Leben Regelmäßig wechselnde Themenphasen
Förderung des Solidaritäts- und Wir-Gefühls Orientierung an aktuellen Beweggründen
Krisenprävention Exkursionen zu interessanten Orten
Krisenbewältigung Unterstützung bei Recherche
Anerkennung von Unterschiedlichkeit Schreibworkshops
Dialog Gemeinsame Reflexion
Gewaltfreie Kommunikation
Konstruktives Feedback
Entwicklung von eigenen Methoden
Evaluation

Laut Jahresbericht der Krankenkassen nehmen die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen wegen psychischer Störungen in den letzten 10 Jahren stetig zu. Bei den Gründen für Frühberentung stehen psychische Erkrankungen bei Frauen an erster, bei Männern an zweiter Stelle. In der Regel wird dies insbesondere von Phänomenen wie Stigmatisierung und sozialer Isolation begleitet. Deutlich wird, dass viele Menschen an psychischen Erkrankungen leiden. Dennoch beobachten wir in unserer Arbeit, dass trotz dieser großen Anzahl immer noch wenig über dieses Thema gesprochen wird und es stattdessen sogar zu einer Tabuisierung kommt. Dies und der Mangel an Wissen bewirken, dass Frühwarnzeichen von Krisen selten erkannt werden und der Leidensdruck der Betroffenen steigt, weil keine Bewältigungsstrategien erlernt wurden und diese auch selten im Umfeld besprochen werden können. Das führt dazu, dass erkrankte Personen schnell in Krisen geraten und die Gefahr der Chronifizierung wächst. Ein Teufelskreis kann beginnen. Aus diesem Grund beabsichtigen wir durch unser Projekt einen Beitrag zur Veränderung zu leisten. Durch Wissen und Kontakt soll der sozialen Isolation entgegengewirkt und Teilhabe und Inklusion vor Ort ermöglicht werden.
Seit 1988 unterhält die Initiative zur sozialen Rehabilitation e.V. den Arbeitsbereich IRRTURM. Gemeinsam mit einigen Langzeitpatienten, die nach der Schließung der Klinik Kloster Blankenburg in Wohngemeinschaften betreut wurden, hat sich die Idee entwickelt, ein Sprachrohr für ihre Belange in der Öffentlichkeit zu schaffen. Die Zielgruppe des IRRTURM sind psychiatriebetroffene Menschen. In diesem Projekt wird die Selbsterkenntnis durch expressives Schreiben fokussiert. Dies geschah beispielsweise auch über Sonderausgaben, Hörbücher oder Lesungen.

Ein neues Projekt soll ins Leben gerufen werden. Und somit öffnet der IRRTURM seine Redaktionstüren für alle, die diesen weiteren Weg mitgestalten wollen. Seien es Betroffene, Angehörige, Profis oder Interessierte. Allesamt sind sie eingeladen, selbst auch Redakteur*innen im IRRTURM zu werden, Gespräche zu eröffnen und den Prozess der Emanzipation mitzugestalten. Zumal das Leben mit der einen oder anderen psychischen Krise inzwischen Normalität geworden sei – sagen zumindest Teilstudien des Schweizer Forschungsprojektes SESAM. Die Aufgabe des IRRTURMs ist es, Diversität verstehbar zu machen und eine gesellschaftsweite Wertschätzung für die Unterschiedlichkeit von Menschen zu fördern. Dabei beschäftigen wir uns mit den Fragen, wie wir uns als Mensch einbringen können, wie wir gehört werden können oder uns auch Gehör verschaffen.

Im Gegensatz zum klassischen Irrturm ist die Redaktionsgruppe also inklusiver ausgerichtet und ermöglicht Interessierten die gemeinsame Arbeit an wechselnden, gemeinsam ausgewählten Schwerpunktthemen über Krisen, Erkrankungen und Psychiatrie. Durch die intensive Verarbeitung in den Sitzungen unterstützen sich die Redakteur*innen gegenseitig in ihrer Bewältigung und Prävention. Die Abstraktion der eigenen Erfahrungen, indem diese in die Form von Artikeln, Berichten und Essays gebracht werden, erzeugt bei den Schreibenden eine wichtige Distanz. Auf diese Weise werden emotionale Freiräume geschaffen. Betroffene, Angehörige, Profis und Interessierte erlernen zunehmend, eigene Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig Verständnis für sich und andere aufzubauen. Somit wird der eigenständige Umgang mit krisenhaften oder als krisenhaft erlebten Lebensverläufen mit und ohne Beeinträchtigungen gefördert und begleitet. Falls Redakteur*innen wieder in Krisen und schwerwiegende Erkrankungsphasen geraten, bietet dieses Projekt Halt, um sich in dieser Phase selbstbestimmt zu verhalten, Kontakt zu anderen Menschen aufrechtzuerhalten und die Krise in schriftlicher Weise aufzuarbeiten und zu begleiten. Die damit einhergehende Tagesstruktur gibt Orientierung und Sicherheit in der Gestaltung des Lebensalltags.